Nichts für coulrophob*innen

Wir haben das erste Clown-Museum Deutschlands besucht..

..und waren leicht überwältigt, um es vorsichtig auszudrücken.

Von außen betrachtet, könnte es auch ein Spielwarenladen sein, denke ich, bevor wir das Schaufenster hinter uns lassen und den kleinen Eckladen betreten. Drinnen erwartet uns neben absoluter Reizüberflutung ein älterer Herr, der sichtbar überrascht ist uns zu sehen. 

“Möchtet ihr euch ein bisschen umsehen?”, fragt er uns unsicher und kommt ein wenig näher. Als wir seine Frage im Einklang bejahen, kann er seine Überraschung nicht länger zurückhalten, klärt uns kurz über die Eintrittspreise auf und empfiehlt uns den Audioguide zu nutzen. 

“Folgt einfach dem roten Teppich”, ruft uns Herr Hermann noch hinterher, aber wir sind schon im ersten Zimmer. 

"Leipzig hat eine sehr große und auch ausgesprochen gute Clownszene [...]"

3 Arten von Clowns:

* Musikalclown

* Artistischer Clown

* Sprachclown/ heutiger Comedian

"Sind sie selbst auch Clown?" fragt Hanne neugierig..

“Nein”, antwortet Hans-Dieter Hofmann und bricht in ein schallendes Raucherlachen aus. Er selbst nennet sich Dipeto und ist leidenschaftlicher Sammler von allem, was mit den Spaßmachern zu tun hat. 2007 gründete er gemeinsam mit Freunden erst den Verein Dipetos Welt der Clowns, und dann das erste und einzige Clown Museum Deutschlands. 

Bereits bei der ersten Station, von 13, erkennen wir die Erzählstimme des ausführlichen Audioguides. Es ist der Museumsgründer selbst, der mit detailreichen Geschichten das viele Bildmaterial begleitet. Einziges Problem – Die Wände, Vitrinen, ja sogar die Böden sind derart überladen mit Fotos, Zeitungsartikeln, Kostümen uvm., dass es schier unmöglich ist, die Objekte auszumachen, von denen Dipeto gerade spricht. 

‘Schade’ denken wir, denn zwischen dem ein oder anderen kitschigen Accessoire, dass starke Schrottwichtelvibes versprüht, verstecken sich auch Exponate, die durchaus ausstellungswürdig sind. Beispielsweise ein originales Schminkset von Charlie Rivel oder ein handgenähtes Paillettenkostüm von Weißclown Francesco.

 

Fun Fact: Im Mittelalter gab es doch tatsächlich ein Lachverbot!

Da hätten wir beiden sicher nicht überlebt.

Alle paar Minuten spricht eine elektronische Stimme mit uns – begrüßt die Besucher*innen.. *creeepy*

Hört man sich geduldig alle 13 Stationen des Audioguides an, schafft man den etwa 20 m² großen Hauptraum der Ausstellung in etwas über 60 Minuten. Dafür braucht man aber wirklich ein ausgeprägtes Interesse an dem Thema. Jeder wichtige Clown und seinen Lebensgeschichte wird lang und breit erklärt. 
Leider fehlt uns beiden bisher  ein bisschen der gesellschaftliche Kontext, aber es kommt ja noch ein Raum. 

YAY

NAY

Die Geschichte des Lachens

Endlich, im zweiten und auch vorletzten Raum der Ausstellung finden wir, wonach wir gesucht haben. Ein riesiger Zeitstrahl zur Geschichte des Lachens.

Der kleinste Raum der Ausstellung, der in dem Flur der Erdgeschosswohnung aufgebaut wurde, gefällt uns am Besten. Hier ist es erstmals möglich, einzelne Texte zu lesen oder Figuren zu betrachten. Leider ist in diesem Teil des Museums kein Tageslicht und die Deckenbeleuchtung ist eher nicht ideal. Dennoch fühlt sich dieser schmale Bereich mehr nach einem Museum und weniger nach einem Depot von Circus Roncalli an.  

Abschließend schießt der letzte Raum der Ausstellung den Clown ab. *haha* Der kleinste Raum beherbergt an jeder erdenklichen freien Wandfläche kleine Clownfiguren in altmodischen Vitrinen. Porzellanclowns, Glasclowns, Stoffclowns, alles was das Narrenherz begehrt. Wir halten es jedenfalls nicht länger als 30 Sekunden aus, bevor wir raus müssen. 

Ein echter Clown

Als wir nach dem Rundgang wieder zurück im Eingangsbereich landen, Dipeto gerade Besuch. Von einem echten Clown, klärt er uns auf. Clown Monello ist inkognito vorbei gekommen und seinen Freund zu sehen. "Monello heißt Schlingel", lässt er uns wissen und bedeutet uns, eine seiner Visitenkarten mitzunehmen.

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